Stellungnahme des Christopher-Street-Day Sachsen-Anhalt e.V. zu den Ereignissen in Berlin-Kreuzberg

Die Ereignisse vom 18. Oktober 2026 im queeren Gesundheits- und Communityzentrum Casa Kuà in Berlin haben uns erschüttert. Die Durchsuchung durch zahlreiche Polizeikräfte während eines Treffens von trans* Frauen hat bei den Betroffenen und weit darüber hinaus Angst, Verunsicherung und Empörung ausgelöst. Als Christopher-Street-Day Sachsen-Anhalt e.V. erklären wir unsere uneingeschränkte Solidarität mit den betroffenen Menschen und der trans* Community.

Wie auch der CSD Deutschland e.V. erkennen wir an, dass dem Polizeieinsatz ein konkreter Ermittlungsverdacht und ein richterlicher Durchsuchungsbeschluss zugrunde lagen. Da die Ermittlungen weiterhin andauern, werden wir uns nicht an Spekulationen über mögliche strafrechtliche Vorwürfe beteiligen. Gleichzeitig muss die Frage erlaubt sein, ob Umfang, Durchführung und Auswirkungen des Einsatzes verhältnismäßig waren. Ein richterlicher Beschluss entbindet staatliche Behörden nicht von ihrer Verantwortung, besonders diskriminierungssensibel zu handeln und die Würde und Rechte der betroffenen Menschen zu achten.

Gerade trans* Menschen brauchen besonderen Schutz. Sie sind überdurchschnittlich häufig von Diskriminierung, gesellschaftlicher Ausgrenzung und Gewalt betroffen. Für viele sind selbstorganisierte Einrichtungen wie Casa Kuà weit mehr als Orte der Begegnung: Sie bieten Gemeinschaft, Unterstützung und einen geschützten Raum in einer Gesellschaft, in der ihre Existenz und Selbstbestimmung zunehmend infrage gestellt werden. Wenn solche Räume durch staatliche Maßnahmen erschüttert werden, kann dies das ohnehin fragile Vertrauen in Sicherheitsbehörden nachhaltig beschädigen.

Auch in Sachsen-Anhalt erleben wir, wie angespannt die Sicherheitslage für queere Menschen ist. Rechtsextreme Mobilisierungen gegen Christopher Street Days, queerfeindliche Bedrohungen und Angriffe auf Menschen und Einrichtungen gehören inzwischen zur Realität. „We apart of Society“ dokumentierte allein 2025 insgesamt über 30 queerfeindliche Angriffe in unserem Bundesland, darunter 50 % im Zusammenhang mit CSD-Veranstaltungen. Insbesondere trans* Personen benötigen in dieser Situation verlässliche Schutzstrukturen und Sicherheitsbehörden, denen sie vertrauen können.

„Trans* Personen sind in besonderem Maße Diskriminierung und Gewalt ausgesetzt. Die Ereignisse in Berlin erschüttern zu Recht das Vertrauen vieler Betroffener in die Sicherheitsbehörden. Was diese Menschen brauchen, sind Schutz, eine sichere gesundheitliche Versorgung und gesellschaftliche Anerkennung. Es ist erschütternd, dass uns gerade in diesem Jahr, in dem queere Menschen zunehmend unter Druck geraten, eine solche Nachricht erreicht. Unsere Solidarität gilt den Betroffenen. Wir dürfen nicht zulassen, dass die wenigen Schutzräume für trans* Menschen weiter gefährdet werden.“ (Zitat von Gabriel)

Für uns ist klar: Strafrechtliche Ermittlungen und der Schutz besonders vulnerabler Menschen dürfen kein Widerspruch sein. Wir erwarten eine transparente Aufarbeitung der Einsatzumstände, insbesondere hinsichtlich der Verhältnismäßigkeit und des Umgangs mit den anwesenden Personen. Sicherheitsbehörden müssen auch in herausfordernden Einsatzsituationen die besonderen Diskriminierungserfahrungen und Schutzbedürfnisse von trans* Menschen berücksichtigen.

Gemeinsam mit dem CSD Deutschland e.V. fordern wir einen sicheren, diskriminierungsfreien und uneingeschränkten Zugang zu notwendiger geschlechtsaffirmativer Gesundheitsversorgung. Dazu gehören insbesondere eine verlässliche Versorgung mit Hormonpräparaten, kompetente medizinische Betreuung und der Abbau rechtlicher, finanzieller und struktureller Hürden. Gesundheit und geschlechtliche Selbstbestimmung dürfen weder vom Einkommen noch vom Aufenthaltsstatus oder vom Wohnort abhängen.

Gerade in Sachsen-Anhalt müssen Politik und Behörden ihrer Verantwortung gerecht werden. Das im Juni 2026 vorgestelle Landesprogramm Queer muss mit konkreten und dauerhaft finanzierten Maßnahmen für Gewaltschutz, Gesundheitsversorgung, Beratung und sichere Begegnungsräume umgesetzt werden. Besonders außerhalb der größeren Städte besteht dringender Handlungsbedarf. Die ehrenamtliche community vertreten durch den Landesverband Christopher-Street-Day Sachsen-Anhalt e.V. ist hier als wichtiger Partner im ganzen Land dauerhaft mit einzubeziehen.

Unsere Solidarität gilt der Casa Kuà, den betroffenen trans* Frauen und allen Menschen, die sich tagtäglich für geschlechtliche Selbstbestimmung einsetzen.

Trans* Rechte sind Menschenrechte. Schutzräume müssen Schutzräume bleiben.

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